Die Lilie

Die Blume wächst in den Himmel, auf die Sonne zu.

Ich kann sie dabei beobachten. Die Blätter entfalten sich eins nach dem anderen, das Grün wird immer kräftiger, Leben aus der duftenden, feuchten Erde fließt hinein bis in die Spitzen. Regenwürmer lockern den Boden, lassen die Luft hindurchatmen. Eine Knospe erwacht, als die Wolke die Sonne freigibt. Sie springt auf, weiß und unaufhaltsam entfaltet sich die Blüte. Mit zarten Adern durchsetzt, rosa und gelb bestäubt, strahlend blickt die Lilie ins Leben.

Die Sonne schmeichelt warm, das Licht ist die reine Freude. Das Blau des Himmels streichelt über das weiche Gras, der feuchte Wind netzt den Boden. Libelle fliegt vorbei, majestätisch. Selbst die Schmetterlinge wirken weniger hektisch, die Käfer schreiten ruhig die Äste entlang, die Raupen spinnen sich nachdenklich in ihre Kokons, stilles Einverständnis.

Leises Lachen von Menschen, der Geruch der Frauen verbindet sich mit dem Duft des Bodens zu Liebe. Auch der Männerschweiß riecht freundlich, den Armen, die sich umschlingen, ist es egal, wer der Stärkere ist. Innehalten, mit geschlossenen Augen einsaugen, ausatmen, sich fügen, geschehen lassen. Holz berühren, eine Nachtigall, auf dem Waldboden liegen. Versuchen so zu klingen wie alles andere. Selbst die Stille sein: vergessen.

Die Menschen, die vorbeigehen, erzählen Lügen, nichts weiter.