Rabid

David „Die Fliege“ Cronenberg gehört ja bekanntermaßen zu den „Three dark Davids“, zusammen mit Lynch und Fincher. Und meiner Meinung nach ist jeder der Filme dieser drei es wert zumindest einmal angesehen zu werden.
So auch „Rabid“. Eine junge hübsche Frau hat einen Motorradunfall, woraufhin ihr ein Chirurg in einer nahegelegenen Klinik für plastische Chirurgie genetisch verändertes Gewebe einpflanzt (der Film ist von 1976), das sich selbstständig dem umgebenden Gewebe anpasst. Nicht auf die Frankenstein-Tour, sondern nach bestem Wissen und Gewissen, weil sie sonst eben keine Chance hätte zu überleben.
Und mit den fatalen Nebenwirkungen konnte ja ehrlich keiner rechnen. Diese äußern sich darin, dass die Arme sich fortan nur von Blut ernähren kann (von allem anderen wird ihr schlecht), das sie ihren Opfern mittels eines neuerdings unter ihrer Achsel befindlichen Stachels abzapft. Die Opfer werden anschließend von einer tollwutartigen Krankheit infiziert und fallen mit Schaum vor dem mund über ihre Mitmenschen her (gelegentlich auch mit einem Presslufthammer), die sie danach offensichtlich aufzuessen versuchen. Die Opfer sind ihrerseits ansteckend und so eskaliert die Situation sehr schnell, worauf die Verantwortlichen (Bürgermeister etc.) getreu dem Motto „Der Virus stirbt mit seinem Wirt“ die Infizierten kurzerhand von der Armee erschießen und mit Kolonnen von Müllwagen entsorgen lassen. Erwähnenswert ist hier ein Kaufhausweihnachtsmann der in einer Szene einen Kurzauftritt als Kollateralschaden hat.
Als Rose (die hübsche Frau mit dem Stachel) herausfindet, dass sie diese Epedemie ausgelöst hat, lässt sie sich von einem frisch infizierten töten und der Film ist aus.
Das hört sich nach einer kruden Mischung aus „Frankenstein“, „Dracula“ und „Night of the living dead“ an und das ist es auch, und ich glaube das soll es auch sein. Sicherlich könnte man eine hochtrabender Sichtweisen erfinden. Zum Beispiel dass man halt nicht mit Sachen rumspielen soll, wo man keine Ahnung davon hat, auch wenn mans gut meint (Gentechnik). Außerdem sind die Opfer von Rose größtenteils potentielle Vergewaltiger – ein Pfleger, der sie als Koma-Patientin betreut (dieser wird sogar direkt der versuchten Vergewaltigung beschuldigt), desweiteren ein Trucker, der Rose als Anhalterin mitnimmt und ein Besucher eines Pornokinos. Rose ist abgesehen davon recht hübsch und einige Male nackt im Bild, da mag sich Cronenberg schon was dabei gedacht haben, zumal ihre Opfer ja nicht direkt sterben, sondern in eine animalische Raserei verfallen. Und die Politiker fackeln natürlich nicht lang rum, sondern setzen Scharfschützen auf die Müllwagen und ab gehts.
Aber man kann natürlich auch auf all diese hochtrabenden Lesarten verzichten und einfach dazu stehen, dass man sich mal ein anständiges Stück Pulp aus den Siebzigern mit Zombie-Flair und ein bisschen Widerlichkeiten reinzieht. Ich glaube, ich neige zu Letzterem.

Also im großen und ganzen originell genug um als „noch gültig im Sinne von egomaschine“ zu bezeichnen.