death from above 1979 / you’re a woman i’m a machine

Vielleicht sollte ich vorausschicken, dass ich jetzt schon 31 bin und immer noch nicht viel von Musik verstehe. Aber ich habe ein paar Grundsätze zumindest was Rock’n’Roll angeht. Zum Beispiel bin ich der Meinung ein Geisteskranker am Schlagzeug ist die halbe Miete. Und seit ich im Fernsehen Metallica in der neuen Besetzung live gesehen habe weiß ich: Ein Geisteskranker am Bass ist auch nicht schlecht. Und außerdem, wenn man sich eine Rock oder Metal oder sonstwaslautes-Platte anhört und man hat nachher keine Verstopfung oder zumindest die Ohren bluten, dann stimmt was nicht, wahrscheinlich wars zu leise.
So. Jetzt habe ich mir von zwei Kanadiern, die sich „Death from above 1979“ nennen eine Platte namens „you’re a woman, i’m a machine“ gekauft, u.a. wegen der freundlichen Referenz an egomaschine. Die sind wie gesagt zu zweit, der eine spielt Bass, der andere Schlagzeug, singen tun glaub ich beide, ist auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, was manl irgendein Kabarettist oder sogenannter Comedian (weiß nicht mehr wer) gesagt hat: „Wenn Frauen eine Kasette aufnehmen, sind sie der Meinung, die Lautsärkeanzeige dürfe nicht in den roten Bereich ausschlagen. Männer sind dieser Meinung NICHT.“
Und drum stell ich mir das so vor: Die beiden Kanadier marschieren ins Studio und sehen dabei original so aus, als wären Sie einem billigen Siebziger-Jahre-Porno-Set entsprungen, mit Frisur und allem. Dann packen sie die ganzen Weicheier, die immer jammern „nicht übersteuern, nicht übersteuern“ am Kragen und schmeißen Sie raus. Dann behauptet ein anderer Studio-Typ, den Mist würde sich niemand anhören, und die Kanadier sagen: „Doch, der Linner.“ Und wenig später sitzt der Linner morgens um halb acht im Auto, das Schlagzeug kracht, der Bass röhrt und alles hämmert, dazu eine Handvoll 70ies-mäßig verzerrter Gesang und alles so laut wies der billige Kasettenrekorder nur hergibt. Und der Linner banged den head und grinst sich eins, weils so schön ist und so laut.
Das klingt vielleicht ein bisschen übertrieben, aber es gibt einen Sound, der ist so hart, damit kann man einen gefrorenen Acker umpflügen. Und es gibt einen Sound, da möchte man eine Zapfsäule bespringen, nicht umbedingt um sie zu begatten, sondern vielmehr um den Umstehenden zu zeigen, dass mans einfach drauf hat. Jedenfalls ist die Platte laut und böse, minimalistisch im Aufbau, einfache Strukturen, kurze knackige Kracher, insgesamt wunderbar.
Und dann stell ich mir vor wie Fred Durst oder sonst einer der Nu-Metal-Bubis zu den Kanadiern kommt und sagt: „Entschuldigung, könnten sie mir bitte zeigen, was eine Harke ist?“ und der Kanadier nimmt seinen Bass, haut ihn dem kleinen Fred auf den Kopf und sagt: „Das, mein Junge, das ist eine Harke.“ Klonk.
Jawoll, so geht das.

Man denkt sichs vielleicht schon:
Wenn diese Platte nicht egomaschine im reinsten Wortsinn ist, welche dann?