Tödliche Versprechen

Der neueste Film von David Cronenberg. Der zeichnet sich verantwortlich für „Die Fliege“, „Crash“, „Spider“, „Rabid“, „Naked Lunch“ und ein paar andere, zuletzt „History of Violence“ mit Viggo Mortenson (Aragorn@Herr der Ringe), der auch in tödliche Versprechen die männliche Hauptrolle übernommen hat.

Der Geschichte nach ist „Tödliche Versprechen“ ein Mafiafilm. Russiche Mafia treibt allerhand organisiertes Verbrechen in London. Armin Müller-Stahl gibt überzeugend den Paten. Kultiviert, väterlich, ehrenhaft, gnadenlos, grausam. Naomi Watts spielt die tiefmoralische nächstenliebende Hebamme, die aufgund ihrer grundguten Einstellung in die Mühlen des Mobs gerät. Viggo Mortenson gibt den eiskalten Engel. Eiskalt im Sinne von echt eiskalt. Wirklich kalt. Ein Mann wie mit der Kettensäge aus einem Eisblock geschnitzt. Abgesehen von einer handvoll Nebenfiguren ist das das Personal des Films, soweit so klassich.

Trotzdem ist das natürlich ein Cronenbergfilm und somit nicht die x-te Neuauflage von Coppolas Paten oder Scorseses Goodfellas. Sowas macht Cronenberg nicht. Auch „Die Fliege“ war kein simpler Horrorfilm sondern eine tragische Geschichte über das grausame Scheitern einer Beziehung. „Crash“ ist kein Erotikthriller sondern ein Film über Menschen die ohne Schmerz nicht mehr wissen ob sie leben oder nicht. Und nicht zuletzt ist „History of Violence“ kein Actionfilm, sondern ein Fragebogen zum Thema Gewalt. Wieviel Gewalt steckt in dir? Wann hältst du Gewalt für gerechtfertigt? Gibt es gute Gewalt und böse Gewalt? Ist der Mensch ohne Gewalt überhaupt Mensch? Ist der Mensch mit Gewalt noch Mensch?

Dieselben Fragen stellt auch „Tödliche Versprechen“. Und die selben Antworten werden hier verweigert. Und Cronenberg hat sein sich durch alle seine Filme ziehendes Thema der Körperlichkeit wieder aufgegriffen und weiter variiert. In dem ganzen Film fällt kein einziger Schuss. Ich kann mich nicht einmal erinnern dass irgendwann mal eine Schusswaffe im Bild gewesen wäre. Getötet wird mit Messern, gekämpft mit dem blosen Körper. Auf die Spitze getrieben wird das in einer Szene in der der nackte Viggo Mortenson in einem Dampfbad von zwei (bekleideten) Schergen einer rivalisierenden Organisation angegriffen wird. Er hat buchstäblich nichts als seinen Körper auf dem er stolz seine ganze Lebensgeschichte in Form von unzähligen Tätowierungen nach russischer Tradition zur Schau stellt. Und so wehrt er sich seinem Urinstinkt gemäß gegen die Angreifer mit nichts als seinem schwitzenden Leib. Jegliche Distanz zum Geschehen wird hier unmöglich, und die Kälte mit der Mortensons Figur durch den Film wandert, wird umso erschreckender, je heftiger sich die Kämpfenden auf dem kalten Fliesenboden des Dampfbads ineinander verschlingen.
Davon handelt der Film. Von nackter, animalischer Gewalt auf der einen Seite und Moral auf der anderen. Und selbst das ist Cornenberg zu einfach, selbst diese einfache Sichtweise lässt er nicht zu, sondern dreht sie mitten im Film plötzlich um.
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