Star Wars Episode III – Die Rache der Sith

Die Handlung ist schnell erzählt:
Anakin Skywalker wird von der dunklen Seite der Macht verführt und mutiert letztlich zu Darth Vader.
Und das zweieinhalb Stunden lang bzw. siebeneinhalb, wenn man Episode I und II dazurechnet.
Soweit, so dünn. Zugegeben, Episode IV bis VI waren auch nicht unbedingt mit Jodorowsky’scher Kapitalismuskritik oder Kubrick’schem Tiefgang gesegnet, es waren Abenteuerfilme mit Raumschiffen, Prinzessinnen und edle Ritter ballerten sich Laserstrahlen um die Ohren und der Machtmystizismus in Verbund mit den bahnbrechenden Spezialeffekten tat ein übriges um das Star Wars-Boah-Gefühl auszulösen.
Nun sind wir aber, was Spezialeffekte angeht, verwöhnt. Man möchte also keine Riesenechse sehen, deren Farbschattierungen irgendwie einen seltsamen Eindruck hinterlassen. Dann lieber einen anständigen Puppentrick. Raumschlachten kennt man zur genüge aus Computerspielen, um auf der großen Leinwand überraschend zu wirken bräuchte es so etwas wie Dramatik und Spannung. Zugegeben, die Eröffnungsschlacht bietet das – neben der für Specialeffektsmenschen scheinbar obligatorischen Verneinung der Masseträgheit. Allerdings die Referenzen an Apocalypse Now bei der Invasion der Dschungelküste der Vietnamesen – pardon – Wookies, kommt einigermaßen befremdlich daher.
Aber man darf halt nicht vergessen, dass es Star Wars ist. Da darf man nicht drauf rumreiten, dass ein Raumfrachter, der in der luftleeren Schwerelosigkeit des Weltraum wunderbar funktioniert, in einer Planetenatmosphäre wie ein Stein vom Himmel fallen müsste. Wozu gibt’s auch Raumfähren. Aber das hat dem (im übrigen seltsam hölzern agierenden) Ewan McGregor und seinem jungen Padawn scheinbar niemand gesagt. Sie tun stur so, als könnte man einen schwer beschädigten, sogar halbierten, Raumkreuzer ernsthaft lenken.
Naja es ist halt Star Wars, und man muss auch sagen, die Lichtschwert-duelle sind grandios. Ob nun Anakin/Obi-Wan gegen Count Dokuu, Meister Joda gegen Darth Sidios oder Obi-Wan vs. Anakin. Schöne klassische Lichtschwertduelle, Mann gegen Mann oder Zwerg gegen Imperator, Schwert gegen Schert. Warum sich aber General Grieveous mit vier Schwertern vorwärtsfräsen muss, bleibt ein Rätsel der – tja, ich weiß nicht von wem.
Nun gut, es ist Star Wars, da darf man sich auch nicht wundern, wenn ständig irgendwelche abstrusen Humanoiden durch bild laufen, kriechen hüpfen oder was auch immer. Was mich allerdings wundert, ist, dass außer Anakin selbst niemand den Codex der Jedi ernst zu nehmen scheint. Er müsste für den Mord an Count Dokuu in irgendeiner Form zur Rechenschaft gezogen werden, zum Beispiel. Und es hieß immer: ein Jedi dürfe nicht lieben, schon gar nicht ein Frau und auf gar keinen Fall mit dings, also körperlich. Trotzdem lässt man den jungen Mann mit Padme in einer Luxussuite unterschlüpfen?? Was soll das? „Stark du musst sein, junger Padawan, und lassen das Lichtschert da wo es ist.“ Seltsam.
Und schon sind wir bei dem Punkt, der auch den ansonsten gar nicht so schlechten „Star Wars Episode II – Angriff der Klonkrieger“ versaut hat. In wenigen Worten: Völlig bescheuerte Liebesszenen. Dialoge, Sprachwitz und WIRKLICH coole One-Liner sind ja im allgemeinen nicht so die Stärke von Episode I-III das müsse duse zugeben. Aber sowas wie das folgende, da drehts einem echt die Fußnägel auf (ich zitiere sinngemäß):
Padme und Anakin auf dem Balkon.
Er: Du bist so wunderschön (wie dings das Schönste jemals oder so, hab ich vergessen)
Sie: Ich bin so schön, weil ich dich so liebe!
Er: Nein, du bist so schön, weil ich DICH so liebe?
Sie: Willst du damit sagen, Liebe macht blind?
Er: Nein… (dann beide: Gelächter)
So einen hanebüchenen Scheißdreck hab ich außer in deutschen Fernsehfilmen wirklich nur selten gehört. Das wäre jetzt nicht so schlimm, wenn nicht diese, so grandios dargestellte „Liebe“ das einzige Motiv Anakins für den Wechsel zur dunklen Seite wäre. So aber ist das Motiv Blödsinn und der Wechsel findet nur statt, weil er halt auf der Checkliste steht. So wie da auch steht:
– Original-Deko einführen (Weiße Gänge, etc.)
– Original-Uniformen einführen (Clonetrooper goes Stormtroper, Senator Organas Wachen tragen 70er Jahre-Weltraumuniformen)
– Ganz wichtig: Vornamen Luke und Leia einführen
– Auch wichtig: alle Jedi umbringen
– Ganz wichtig: Todesstern zeigen!
etc. etc.
Aber naja man wollte einen Star Wars Film sehen und man wollte Darth Vader sehen.
Beide Erwartungen wurden erfüllt, was will man mehr.
Allerdings war die klassische Trilogie einfach lockerer. Luke Skywalker macht es sichtlich Spaß Tie-Fighter weg zu ballern, Chewbacca ist schwer verliebt in den Millennium Falcon, Prinzessin Leia macht sich über die verkommene Schmugglerseele Han Solos lustig etc. etc. Diese Leichtigkeit und der Spaß an einem Abenteuerfilm im Weltraum (mit Raumschiffen etc.), das ist es, was der neuen Trilogie deutlich fehlt. Und brachial Slapstick wie das sprechende Pferd Jar-Jar Bings (Gruß an Gregor :) oder hypervermenschlichte Droiden machen das auch nicht wett. Und selbst wenn die ganze Galaxis im Chaos versinkt, die Demokratie sich in Wohlgefallen auflöst, alle auf einen Schlag sterben und allenthalben Verrat und Machtgier herrschen, Han Solo hätte einfach schief gegrinst und gesagt: „Eine Million Credits, dann rette ich dein komisches Universum.“
Schade dass er nicht dabei war.

Siehe auch hier.