Category Archives: texte

liebe mich

Lies deine oder meine Worte
Dort aus meiner oder deiner Brust
Denn mein Mund spricht
Nichts als Lügen.

Liebe mich für etwas Gutes-
Oder etwas Stilles
Etwas das du lieben kannst
Und das ich doch nie war.

Verstecke mich,
Verrate mich,
Verbrauche mich,
Verbrenne mich,
Auf jeden Fall beeile dich,
Denn Alles was ich jemals war
Verliert sich bereits jetzt
Im letzten Blitz des Nichts.

erde

Knie sinken

Schwerkraft

zieht Kopf

Gnadenlos

Weiche

Umschmeichelt Hände

Bietet Kühle

Ich Ruhe an

Maden und Würmer wühlen

 

Fleisch Ich

Motteneier Ich

Spinnennetze Ich

 

Erde Zieht

Kippe

Lande Ich sanft

Grenze verloren

Dazwischen

 

Dreck Ich

Humus Ich

Leben Ich

 

Freudig tobt

Blut und Hoffnung

Knochen bleichen

Staub

Aus Ich Mitte Auge

Löwenzahn

Samen fliegen davon

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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bin

das ziellose Feuer
das sich selbst verbrennt
das geile latex
das dich erstickt
das heute
das nur im morgen lebt
der träumende tod
die schlaflose dunkelheit
das gestrige farbrad

die faust des gekreuzigten
der gekreuzigte pfau
das pfauenrad des vergessens
das vergessene rauschen
der rausch des funkelns
der funkelnde abschaum
die schäumende ewigkeit
der ewige augenblick des wurms
der wurm der scham
die scham der löwin

das was ist
das nicht sein kann
das könnte
das nicht will

die tage stinken

Die Welt fotzt mich an
Die Tage stinken
Ich laufe die einhundert Kubik
Locker in Achtzig Gramm

Schweißgebadete Träume von Frauen ohne Slip
Wage ich nicht zu fotografieren
Binominaler Stein des Himmels
Die Tage stinken

Sonett meiner Sinne
Trägt ein Lamm träge auf den Hörnern
Glaubhaft verzweifeln die stinkenden Tage
In die Kirche geh ich nicht

Tage stinken
Fresse die Zeit
Erbrochene Göttlichkeit
Pakete bleiben wo sie sind

Warum Tage
Wohin stinken
Wessen Tage
Wann stinken
Fink dich

Der Tod und der Hirsch

Es ist heiß. Der Russe raucht, ich rauche, und der Rheinländer raucht auch und redet ununterbrochen. Heute darüber, dass die Sommer früher nicht so heiß waren, das kommt vom Ozonloch. Wenn es mal ein paar Tage regnet und kalt ist dann redet er darüber, dass die Sommer früher viel schöner und trockener waren, das liegt am Ozonloch. Er redet ständig. Der Russe dagegen erzählt selten was, bei der Armee haben sie ihn schwer misshandelt, hat er einmal erzählt, über seine Nase und Stirn läuft eine tiefe Narbe. Also fahren wir einfach in dieser Hitze zu dem Haus wo wir das Bett zur Entsorgung abholen sollen. Das Bett in dem jemand gestorben ist. Und dann ein paar Tage drin lag.
Mitten im Sommer.
Wir finden das Dorf, die Straße die Hausnummer, steigen aus und klingeln. Wir werden von zwei Männern mit bedrückten Gesichtern begrüßt. Vater und Sohn oder Sohn und Enkel vermutlich. Sie haben Raumspray in der Hand und zeigen uns eine Tür. Ohne nachzudenken machen wir die Tür auf, der Rheinländer geht rein, ich nach ihm, dann der Russe. Dann stolpern wir rückwärts wieder raus, der Rheinländer rennt mich fast um und reißt ein Fenster auf, ich schlage die Tür zu und würge, der Russe stützt sich auf die Knie und schüttelt den Kopf. So riecht also der Tod. Schwer und süß, dabei sauer und verfault, alles zusammen. Schweiß und Exkremente, Gärung und Angst. Und dazu noch der beißende Tannengeruch aus der Dose. Wir fluchen lautstark, der Russe auf russisch, der Rheinländer zündet sich eine Zigarette an und schimpft, ich keuche und sage „Verdammte Scheiße“. Sohn und Enkel stehen daneben und entschuldigen sich.
Als wir wieder reingehen atme ich durch den Mund und versuche nicht zu denken. Wir haben Müllsäcke dabei und Plastikhandschuhe an. Als der Rheinländer die Bettdecke in den Sack stopft, den der Russe aufhält, starre ich in die Augen des riesigen Hirschkopfes der an der Wand dem Bett gegenüber hängt.
Vom Bett steigt fast sichtbar eine neue Wolke grausigen Todesgestanks auf. Man kann eine Mulde sehen, da wo der Mann gelegen hat. Eine Mulde in Form eines Menschen, die jetzt eine widerwärtige bräunlich schimmernde Flüssigkeit enthält. Wie dünne Schmierseife. Der Rheinländer rennt mit dem ersten vollen Sack zum Lastwagen und der Hirschkopf starrt ins Leere.
Achtzehn Enden zähle ich, ein riesiger Schädel, die Augen sehen wach und lebendig aus und wäre er nicht auf ein Brett geschraubt und an die Wand genagelt, man würde nicht meinen dass er tot ist. Während der Russe Kissen und Bettbezug von der Matratze zu schälen versucht ohne in das Gemisch von vergorenem Mensch und dem was er in den letzten Zuckungen aus seinen Eingeweiden gepresst hat.
Den Hirsch geht das alles nichts an. Mittlerweile scheint es mir als würde er den ganzen Raum ausfüllen, allein durch die majestätische Haltung zu der er selbst im Tod, seines ganzen Körpers beraubt, noch fähig ist. Er sieht darüber hinweg, wie widerlich sich die Wandlung vom Menschen zur Erde gestaltet. Strahlend und groß hängt er an seinem Brett an seinem Platz und hat schon beim Tod dieses Menschen nicht mit der Wimper gezuckt, und auch nicht jetzt, als wir schreiend versuchen den Spritzern dieser ekelhaften Flüssigkeit zu entgehen versuchen, weil der Rheinländer zu blöd ist, das irgendwie in Ruhe zu machen, dass eben nichts rumspritzt. Er geht wieder raus hängt sich aus einem Fenster und würgt, kotzt vielleicht sogar.
Der Russe macht weiter. Er macht das schnell und überlegt und ruhig. Vielleicht spürt er auch die Ruhe die von diesem Hirsch ausgeht. Eine Ruhe, die viel größer scheint, als ein einzelnes Menschenleben, viel größer als alles Leben, eine Ruhe die es einfach völlig gleichgültig macht ob lebendig oder tot.
Der Rheinländer kommt wieder rein, leichenblass, ich drücke ihm den vollen Sack in die Hand und würgend schleppt er ihn zum Lastwagen.
Ich stülpe einen Sack über das erste Matratzenteil das der Russe aus dem Bett gehoben hat, binde ihn zu und drücke ihn dem Rheinländer in die Hand. Der jammert, schimpft und flucht immer noch am allermeisten, obwohl er am wenigsten in dem Zimmer ist.
Zum Schluss reißen wir das Bettgestell in Stücke. Wir brechen die Seitenbretter auseinander, dass sie auch in Säcke passen. Irgendwie ist uns das lieber, wenn wir alles einpacken können. Stumm treten wir den Lattenrost auseinander, das dunkle Holz von Kopf- und Fußteil splittert und kracht.
Plötzlich ist mir als würde ich trotzdem, dass ich die ganze Zeit durch den Mund atme, den Wald riechen. Nicht die hässliche Waldimitation die Sohn und Enkel aus ihren Dosen dauernd in das Zimmer sprühen, sondern den echten Wald. Den aus dem der Hirsch kommt. Der harzige Geruch der Bäume, das feuchte Moos, die Pilze und den schweren dunklen Boden. Alles was da wächst, ernährt sich von dem, was da vor langer Zeit gestorben ist, und mittendrin stand der Hirsch, aufrecht und stolz, wie auf diesen kitschigen Bildern, die wir bei anderen Wohnungsräumungen schon öfter von den Wohnzimmerwänden abgenommen und auf den Sperrmüll geworfen haben.
Endlich sind wir fertig und der Rheinländer kassiert, der Russe und ich schauen ihm dabei genau auf die Finger. Das wäre nicht das erste Mal dass er das Trinkgeld statt zu teilen selber einsteckt. Zwanzig Mark bekommt jeder von uns extra, eine ganze Menge für eine Viertelstunde Arbeit.Jetzt da das Zimmer leer ist, wird es erst recht von dem Hirsch ausgefüllt und beherrscht. Ich zünde mir eine Zigarette an, dann gehen wir alle raus und klettern in die Fahrerkabine.
Im Wagen ist es heiß, nach wie vor, und der Rheinländer hält endlich sein Maul und trinkt einen Jägermeister. Dann schlage ich den Beiden vor, wenn Sie mir ihr Trinkgeld geben lade ich den Lastwagen alleine ab. Sie sind einverstanden und nach einer halben Stunde Fahrt stehe ich hinten auf der Ladefläche, atme durch den Mund und werfe die Müllsäcke einen nach dem anderen in den riesigen Schlund der Verbrennungsanlage.
Alles ist ruhig.

Sturm

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was das alles soll
weiß ich nicht
wohin das führt
erst recht nicht
und was ich will
noch viel weniger

also geh ich raus
und lass mir vom sturm
die fresse polieren
und selbst wenn er mir
die zigarette
aus dem mundwinkel reißt
rauchen kann er sie nicht

der raum

jeder tisch, jedes regal, jedes quentchen wand und decke in diesem raum war vollgestopft mit den absonderlichsten dingen.
masken, hüte, musikinstrumente, deren klang wohl noch niemand auf der welt vernommen hat, ausgestopfte tiere, ein lama, ein elefant, ein aligator, ein braunbär, ausgestopfte fabeltiere, ein einhorn, ein zyklop und ein pegasus,

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