Prosa


Es ist heiß. Der Russe raucht, ich rauche, und der Rheinländer raucht auch und redet ununterbrochen. Heute darüber, dass die Sommer früher nicht so heiß waren, das kommt vom Ozonloch. Wenn es mal ein paar Tage regnet und kalt ist dann redet er darüber, dass die Sommer früher viel schöner und trockener waren, das liegt am Ozonloch. Er redet ständig. Der Russe dagegen erzählt selten was, bei der Armee haben sie ihn schwer misshandelt, hat er einmal erzählt, über seine Nase und Stirn läuft eine tiefe Narbe. Also fahren wir einfach in dieser Hitze zu dem Haus wo wir das Bett zur Entsorgung abholen sollen. Das Bett in dem jemand gestorben ist. Und dann ein paar Tage drin lag.
Mitten im Sommer. (more…)

jeder tisch, jedes regal, jedes quentchen wand und decke in diesem raum war vollgestopft mit den absonderlichsten dingen.
masken, hüte, musikinstrumente, deren klang wohl noch niemand auf der welt vernommen hat, ausgestopfte tiere, ein lama, ein elefant, ein aligator, ein braunbär, ausgestopfte fabeltiere, ein einhorn, ein zyklop und ein pegasus, (more…)

Es regnet. Natürlich. Wie auch sonst. Sonst hätte ich nicht so gelangweilt im Wagen gesessen und den Funk von den Kollegen mitgehört. Dann hätte ich nicht von dem Unfall gehört. Mir wäre die Autonummer nicht aufgefallen. Tina. Ich steige aus, einen Kragen den man gegen den Regen hochschlagen könnte, hat das Sakko nicht. (more…)

Als Siegmund endlich wieder aus seiner Tür trat, klaffte in der Altstadt direkt vor der Martinskirche ein riesiges Loch. Menschen liefen um das Loch herum, als hätte die Stadt nie anders ausgesehen. Siegmund trat auf die Straße; da fühlte er, wie sich zwei Hände um seinen Hals schlossen. Zwei starke Hände. Zwei sehr starke Hände. Und obwohl Siegmund versuchte den tödlichen Griff zu sprengen sank langsam ein dunkler Vorhang vor seinen Augen nieder. Genau so wie die Leute sagen zog sein ganzes Leben an ihm vorbei. In seiner ganzen Bedeutungslosigkeit. (more…)

Heilig Abend. Irgendwann in den Neunzigern. Ich sitze stocksauer bei meinen Eltern im Wohnzimmer, starre in den Lametta-Overkill und versuche mich mit Punsch zu betrinken. Vor zwei Tagen hat mich meine Freundin vor die Tür gesetzt. Es gab da allerhand Missverständnisse, widrige Umstände und eine Praktikantin. Das Betrinken haut allerdings nicht hin, mein Magen rebelliert erbost gegen die Gewürzmischung, die meine Mutter in den Punsch zu kippen pflegt. Unvermittelt stehe ich auf und sage sowas wie:
„Ich geh in die Stadt, frohe Weihnachten noch.“
Draußen ist es saukalt, aber egal, das Ziel ist klar: völliger Realitätsverlust.
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Erstaunlicherweise scheinen weit weniger Menschen mit der Heisenbergschen Unschärferelation vertraut zu sein, als angenommen. Deshalb hier ein kurzer Abriss. Das ist für das Verständnis von Heisenberg zwar nicht zwingend erforderlich, aber interessant.
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Schon wieder dieser komische Typ. Heute will ich es wissen. Blaue Turnschuhe, dunkelbraune Kordhose, rotes Hemd mit Hawaiimuster, irgendwelche Blumen oder so und eine hellbraune Lederjacke. Passend dazu eine von diesen Sonnenbrillen, die oben rot sind und dann unten immer durchsichtiger werden. Als wäre er gern Brad Pitt, nur Verwechslungsgefahr besteht kaum. Seine Haare sind schwarz, fettig und gelockt, und die Schuppen springen einem mehr oder weniger aus fünf Metern ins Gesicht. Stellenweise unrasiert, Brusthaare quellen aus dem Hemd wie zum Beispiel irgendwelche ekligen Insekten, und einen Bierbauch hat er auch, muss sagen, Respekt. (more…)

Die Blume wächst in den Himmel, auf die Sonne zu.

Ich kann sie dabei beobachten. Die Blätter entfalten sich eins nach dem anderen, das Grün wird immer kräftiger, Leben aus der duftenden, feuchten Erde fließt hinein bis in die Spitzen. Regenwürmer lockern den Boden, lassen die Luft hindurchatmen. Eine Knospe erwacht, als die Wolke die Sonne freigibt. Sie springt auf, weiß und unaufhaltsam entfaltet sich die Blüte. Mit zarten Adern durchsetzt, rosa und gelb bestäubt, strahlend blickt die Lilie ins Leben.
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Das ist doch dein Kind da, sieh doch hin, sage ich zu ihr.
Aber sie hört natürlich nicht was ich sage. Aber sie sieht auch ihr Kind nicht, die Lisa. Sie hat ein Bild gemalt, wie es kleine Mädchen halt so malen. Ein krakeliges Pferd und eine kleine krakelige Gestalt daneben. Lisa und ihr Pferd wird das wohl sein. Wie die kleinen Mädchen immer da drauf kommen, dass sie ein Pferd haben wollen ist mir nach wie vor ein Rätsel. Aber naja.
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Ich bin im Zirkus. Keine Ahnung, was ich mir dabei gedacht habe. Eine Scheißidee. Es gibt eine Zirkusdirektorin. Aha, denk ich, Emanzipation beim fahrenden Volk, sieh mal an. (more…)

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